Tomas Sauter/Daniel Schläppi/Jorge Rossy


Starkes Zeichen
Auf der ersten CD-Veröffentlichung mit Jorge Rossy seit seiner legendären Zeit im «Brad Mehldau Trio» ist der geniale Schlagzeuger im Trio mit Tomas Sauter (g) und Daniel Schläppi (b) zu hören, die sich beide als virtuose Instrumentalisten und kreative Bandleader in Europa seit Jahren einen hervorragenden Namen gemacht haben. Sauter und Schläppi haben unzählige Konzerte im Duo gespielt und mit Indian Summer (2006) und First Day in Spring (2011) zwei CDs herausgebracht, die von Publikum und Fachwelt euphorisch gefeiert wurden. Das Zusammenspiel im Trio mit Jorge Rossy klappte vom ersten Ton an wunderbar. Und auch im Verbund mit dem unvergleichlichen Rhythmiker bleibt die langjährige Arbeit im Duo spür- und hörbar. Alle Beteiligten lassen in dieser fluiden Musik ihrer künstlerischen Intuition freien Lauf, und so finden drei Persönlichkeiten zu einem umwerfend kompakten und eigenständigen Bandsound. Mit der CD Wonderland gibt die europäische Jazzszene ein starkes Zeichen an die Neue Welt.

Inspiriert und zeitlos schön
Dieses Trio lässt aufhorchen. Nicht nur wegen des beeindruckenden Spiels der drei Musiker, sondern auch wegen der erfrischenden und authentischen Kompositionen von Tomas Sauter. Seine Stücke sind bald druckvoll modern, bald von balladesker Leichtigkeit – immer aber eingängig und zeitlos schön. Der pulsierende Groove des Openers The Same But Not The Same ist inspiriert vom lebhaften Treiben im New Yorker Stadtteil China Town, wo Sauter längere Zeit gelebt hat. Im Morgengrauen verhüllen Nebelschwaden die Manhattenbridge mit einem dichten Schleier. Die Komposition Eos beginnt in dieser Stimmung. Doch bald klart es auf über dem East River, und wir spüren die Wärme der ersten Sonnenstrahlen auf der Haut.
Blue Demon II ist eine würdige Hommage an Gitarrengott Jimi Hendrix. Bereits im Intro evozieren raffinierte Flageolet-Ketten der Gitarre metaphysisches Gruseln. Der druckvoll treibende Drumbeat, die monochrome Basslinie und ein orgiastisches Gitarrensolo mit Reverse-Delay lassen alte Zeiten aufleben, als Musik und Drogen noch ein unzertrennliches Paar waren. Doch selbst vom wildesten Trip kommt man irgendwann herunter. Die feinfühlige, sensationell gespielte Ballade No Sleep Till Wonderland ist der ideale Soundtrack zum Wohlgefühl der Stunden danach.

Mit Zwischentönen ins Delirium
Den Titel First Day In Spring haben Sauter und Schläppi bereits für ihre gleichnamige Duo-CD aufgenommen. In der Trio-Version offenbart diese vollendete Komposition neue Facetten. In rein akustischer Besetzung werden auch leise Zwischentöne hörbar. Die luftige Atmosphäre des Stücks öffnet Raum für unaufdringliche musikalische Interaktion auf höchstem Niveau und gibt den Spielern Gelegenheit, ihren Ruf als Meister des Filigranen zu bekräftigen.
Kontrapunktisch wirken die darauf folgenden Miniaturen Crossing 1 und 2. Sie bringen den Augenblick zum Klingen, machen die Flüchtigkeit des Moments greifbar und kreieren intensive Stimmungen, bevor die CD Wonderland mit Bei 40 Grad Im Schatten zu ihrer paradoxen Klimax kommt. Von der Gluthitze in einem mexikanischen Provinzkaff gelähmt, kapitulierten selbst hartgesottene Gauchos vor den Mücken und dämmern unter mannshohen Sukkulenten dem Abend entgegen. Die Zeit steht still … und dann entführt sie ein magischer Slow Blues ins Delirium.
Diese Trance schärft die Sinne